She.

Warum bloß dieses Theaterstück?
Warum bloß diese Dramatik?
Warum bloß?

Männer sind die Beschützer, Mädchen klein & zerbrecklich. So schwirrt es mir im Gedächtnis herum. Zierlichkeit findet sich dort, wo die Knochen hervor stehen, das Gesicht schmal ist & die Ärmchen dünn.

Alles begann, als ich noch mit Barbiepuppen spielte & die Welt einen endlosen Spielplatz für mich darstellte. Stets war ich alleine & der merkwürdige Außenseiter, welcher von den anderen Kindern so talentiert wie nur möglich gemieden wurde. Als ich den Kindergarten besuchen sollte, nahm mich keiner an. Meist irrte ich alleine zwischen den Wippen & Schaukeln herum, auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Besonders eine Situation brannte sich in mein imaginäres Auge ein. Etwa acht Mädchen & Jungen hantierten Spielzeug herum & als ich fragte, ob ich mich zu ihnen gesellen dürfe, schrieen sie mir ein deutliches Nein entgegen. Ab da an weigerte ich mich an diesem schrecklichen Platz aufzukreuzen, weinte verbittert, wenn meine Mama wegfuhr & wollte viel lieber drinnen sitzen & malen. Im Winter, war die Standartantwort der Erzieherinnen. Nach einigen Tagen wirkte mein Protest & mein Name wurde aus der Liste gestrichen.

So blieb es auch für den Rest meines Lebens - Anschluss war mir fremd, das Problemkind war ausnahmslos ich, meine Interessen waren nicht meinem Alter entsprechend & entweder wurde ich bewundert oder gehasst. Auf einer Stufe stand ich niemals mit jemandem.

Außerdem existierte in meiner Familie beinahe nur Aggression. Meine Schwester war mit meinem Bruder zerstritten, mein Bruder mit meiner Mutter, meine Mutter mit meiner Schwester, meine Geschwister mit mir, meinen Vater sahen wir wegen seiner Arbeit selten, meine Mama hingegen zu häufig. Zusammenhalt bestand bei uns höchstens im Duden.

Aus irgendeinem mir unbegreiflichen Grund war ich auch immer das kleine, fette Kind für meine Familie. Nicht dass es der Wahrheit entsprechen würde, denn auf alten Bildern war ich schlanker denn je. Anscheinend entsprach es einfach ihrem Humor, mir einzureden, ich wäre zu dick.

Außenseiterdasein, Streit in der Familie, wenige oder keine Freunde, ständig im Mittelpunkt stehend, Zielscheibe von Beleidigungen. Eines Tages führten diese Faktoren langsam aber sicher dazu, dass ich tatsächlich dick wurde. Dick & unförmig. Hässlich & grauenhaft.

Dann nahm ich rasant zehn Kilo ab, als ich dreizehn war & wurde beliebt. Selbst meine Erzfeinde waren plötzlich herzerweichend lieb zu mir. Da hatte ich den Schlüssel zum Erfolg gefunden. Es ergibt keinen Sinn, zu seinen Fehlern zu stehen & stolz auf sich zu sein. Man muss seine Fehler, für die man gehasst wird, ausmerzen & seine Feinde übertrumpfen, um auf sie hinab sehen zu können.

Es ist ein Racheakt gegen meine Familie.
Es ist der Wunsch, all denen überlegen zu sein, die mir so dermaßen weh getan haben.
Alle Menschen sind Leinwände, aber nur die wenigsten Kunstwerke.
Ich will ein Kunstwerk sein.
Ich will auch nach außen spiegeln, was sich in mir befindet.

Drama.
Applaus.
Darsteller.
Leichtsinn.
Souffleuse.
Proben.
Hauptrolle.
Theaterplakat.
Theaterbühnen.
Warum bloß dieses Theaterstück?
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